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Die 12 Thesen der Künstler von 1961

Fürth (nhz) – Die 12 Kunstthesen sind gefunden! Lange glaubte man, sie seien für immer verloren. Doch jetzt hat ein Expeditionsteam der NHZ die 12 Thesen des dreissigjährigen Kunstkrieges vor 1961 in einem Lokal in der Fürther Altstadt unter einer Speisekarte geborgen. Wir wollen den Text hier nun als Welterstveröffentlichung unseren Lesern und Leserinnen zum Wohle reichen.

  • Jede Gemeinde soll das Recht haben, ihren Künstler zu wählen und ihn zu entsetzen (abzusetzen), wenn er sich ungebührlich verhält. Der Künstler soll die Kunst lauter und klar ohne allen menschlichen Zusatz predigen, da in der Schrift steht, dass wir allein durch die wahre Kunst zu den Menschen kommen können.
  • Von dem großen Zehnten sollen die Künstler besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kunststeuer verwandt werden. Der kleine Zehnt soll abgetan (aufgegeben) werden, da er von Menschen erdichtet ist, denn Beuys der Oberboss hat die Kreativität dem Menschen frei erschaffen.
  • Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen dass uns Nitsch alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Naiven gleich wie den Dadaisten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.
  • Ist es unbrüderlich und dem Wort Beuys nicht gemäß, dass der arme Mann nicht Gewalt hat, Farben, Pinsel und Leinwände zu fangen. Denn als Beuys der Oberboss den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt über alle Farben, den Pinsel in der Luft und den Leinwänden im Wasser gegeben.
  • Haben sich die Herrschaften die Kunst (Kunstwerke) alleine angeeignet. Wenn der arme Mann etwas bedarf, muss er es um das doppelte Geld kaufen. Es sollen daher alle Kunstwerke, die nicht erkauft sind der Gemeinde wieder heimfallen (zurückgegeben werden), damit jeder seinen Bedarf an Leisten- und Leinwänden daraus decken kann.
  • Soll man der Dienste (Frondienste) wegen, welche von Tag zu Tag gemehrt werden und täglich zunehmen, ein ziemliches Einsehen haben (sie ziemlich reduzieren), wie unsere Eltern gedient haben, allein nach Laut des Wortes Beuys.
  • Soll die Herrschaft den Künstlern die Dienste nicht über das bei der Verleihung festgesetzte Maß hinaus erhöhen. (Eine Anhebung der Fron ohne Vereinbarung ist nicht unüblich.)
  • Können viele Malmittel die Gült (Pachtabgabe) nicht ertragen. Ehrbare Leute sollen diese Malutensillien besichtigen und die Gült nach Billigkeit neu festsetzen, damit der Künstler seine Arbeit nicht umsonst tue, denn ein jeglicher Banker ist seines Lohnes würdig.
  • Werden der große Frevel (Kunstpreise) wegen stets neue Satzungen gemacht. Man beurteilt nicht nach Gestalt der Kunst, sondern nach Belieben. Ist unsere Meinung, uns bei alter gemalter Kunst zu ehren, darnach die Kunst gehandelt ist, und nicht nach Gunst.
  • Haben etliche sich Bilder und Objekte, die einer Gemeinde zugehören (Kunstwerke, die ursprünglich allen Mitgliedern zur Verfügung standen), angeeignet. Die wollen wir wieder zu unseren gemeinen Händen nehmen.
  • Soll der Kunstfall (eine Art Kunststeuer) ganz und gar abgetan werden, und nimmermehr sollen Witwen und Waisen also schändlich wider Beuys und Ehre beraubt werden.
  • Ist unser Beschluss und endliche Meinung, wenn einer oder mehr der hier gestellten Artikel dem Worte Beuys nicht gemäß wären …, von denen wollen wir abstehen, wenn man es uns auf Grund der Malerei erklärt. Wenn man uns schon etliche Artikel jetzt zuließe und es befände sich hernach, dass sie Unrecht wären, so sollen sie von Stund an tot, grau und ab sein. Desgleichen wollen wir uns aber auch vorbehalten haben, wenn man in der Schrift noch mehr Artikel fände, die wider Beuys und eine Beschwernis des Nächsten wären.

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